Da liegt er nun. Der Kalbslungenbraten. Zart, rosa und von einer Eleganz, die man einem Rindvieh in jungen Jahren gar nicht zugetraut hätte. Gebettet auf mariniertem Babyspinat.
Wie sich das schon anhört. Gebettet! Als würde er im alten Rom in einer Sänfte durch die Gegend getragen und dabei mit Weintrauben gefüttert werden. Fehlt eigentlich nur noch einer, der ihm mit einem Palmwedel Luft zuwachelt.
Daneben die Erdäpfel-Schnitte.
Ein Erdapfel, der offenbar beschlossen hat, gesellschaftlich aufzusteigen. Als gewöhnlicher Erdapfel war er nicht gut genug. Nein, er musste in Form gebracht, geschichtet, gebraten und zu einer architektonischen Meisterleistung verarbeitet werden.
Schönheitswahn auf kulinarischem Niveau. Früher war er a Beilage, heute hält er sich für ein Kunstwerk.
Und dann kommt sie, die Topinambur-Creme.
Eine Creme aus einer Knolle, die ausschaut, als hätte sich ein Ingwer mit einem Erdapfel auf ein Pantscherl eingelassen und keiner von beiden möchte darüber reden.
Geschmacklich fein, leicht nussig, durchaus interessant. Aber wehe, man fragt, was das eigentlich ist.
„Des is Topinambur!“
„Aha. Und wos is des?“
„A Knoin. De is gsund, do kaunnst a de Schoin mitessn!“
Na wunderbar. Früher hat man Erdäpfel geschält, heute wird einem die Schale als kulinarische Errungenschaft verkauft. Wahrscheinlich kostet sie deswegen mehr.
Der Kalbslungenbraten weiß von all dem nichts. Er liegt friedlich auf seinem marinierten Babyspinat, während die Erdäpfel-Schnitte Haltung bewahrt und die Topinambur-Creme so tut, als wär sie schon immer etwas Besseres gewesen.
Dabei sind ursprünglich alle drei recht bodenständig. Aber kaum gibt es eine durchdachte Präsentation auf einem Teller, wird vermutet, sie gehören zur gehobenen Gesellschaft.
Das Fazit:
Ein Kalb, das auf Spinat ruht.
Ein Erdapfel mit Größenwahn.
Eine Knolle mit fragwürdiger Verwandtschaft und erstaunlichem Selbstbewusstsein.
Und das alles auf einem Teller beim Sommerwirt.
Man könnte natürlich auch einfach sagen:
„Es gibt Kalb mit Erdäpfeln und Gemüse.“
Oba samma uns ehrlich – Es lests anfoch gern de Gschichtn.
Auf Euer Kommen freut sich Felix!
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